All Was Well
Tatsächlich habe ich nicht gedacht jemals wieder mit dem Bloggen anzufangen.
Meine Grammatik hat über die letzten Jahre massiv gelitten, ich weiß nicht einmal ob sich der ganze Bumms hier überhaupt flüssig lesen lässt und ob dieser Text hier einen zusammenhängenden Sinn ergibt.
Wer runter scrollt wird merken, dass der vorherige Post aus dem Jahr 2013 ist. In 2013 war ich 21 Jahre alt. Ich weiß leider nicht mehr, welche Arbeit ich in diesem Post meinte. Vermutlich meinen kleinen Minijob an der Kasse eines riesigen Supermarktes, indem ich eigentlich alles und jeden gehasst habe.
Zeitlich müsste ich noch mein Abitur nachgeholt haben. Und offensichtlich ging es mir nicht gut.
Fast forward, es ist 2023, ich steuere auf die 31 zu und auch heute noch habe ich ähnliche Gedanken wie in meinem vorherigen Post.
Der große Unterschied jedoch ist die Zeit, die zwischen 21 und 31 vergangen ist. In dieser Zeit habe ich mein Abitur abgeschlossen, bin weeeeit weg gezogen, habe studiert und arbeite nun Vollzeit in einem Job, der ganz okay, aber mies bezahlt ist. Ich arbeite abends unter der Woche noch als Kellner und am Wochenende an meinem Kleingewerbe. Das bisschen Taschengeld nebenher brauche ich, um meinen Arsch voll Bafög-Schulden abzubezahlen. 4 Jahre Therapie liegen auch schon hinter mir. Seit wenigen Wochen nehme ich wieder Antidepressiva und nach anfänglichen Eingewöhnungsproblematiken, gehts mir echt gut damit.
Also so richtig gut.
Ja, die Gedanken kreisen noch, ich bin immer noch todmüde, die Depression ist nicht weg, aber dank der Therapie, zerfließe ich nicht mehr in Angstattacken und Hungersnöten.
Das Einzige, das mich noch immer nicht loslässt, ist das Problem "Essen".
Vor Kurzem habe ich die kleine Mini-Offenbarung erlebt (Bei einem kleinen Monolog im Auto. Sind wir ehrlich, Selbstgespräche sind nunmal die einzige Art und Weise wie man zu sich selbst findet.), dass ich Essen in meiner Kindheit und Jugend als "Retter" genutzt habe. Dieser alte, abgedroschene Spruch "Essen ist immer da." hat nicht wirklich Etwas in mir ausgelöst. Es war die "Funktion" die Essen für mich ausübte. Essen rettete mich vor der Ohnmacht, wenn ich wieder zu lange nichts gegessen habe, Essen rettete mich vor Stress, rettete mich vor Einsamkeit, rettete mich vor Emotionen, mit denen ich nichts anfangen konnte, da mir niemand gezeigt hat, wie ich mit ihnen umgehen soll.
Nimmt man mir das Essen weg (oder ich mir selber), nehme ich mir das Einzige weg, das mich über all die schwere Zeit begleitet hat. Dann fühle ich mich einsam, ich fühle mich, als ob ich sterben müsste, als ob der Boden sich öffnet und ich tief falle. Meine Eltern konnten mich nicht vor dem "Bösen" da draußen retten, konnten mich nicht vor der Essstörung retten, konnten mich nicht retten, wenn es mir emotional schlecht ging. Also habe ich mir einen eigenen Retter gesucht.
Neben Büchern, Fantasy und Schlaf, war es das Einzige, was mich schützen und retten konnte.
Wie sich meine Magersucht in dieses Konstrukt einfügt, kann ich bis heute nicht sagen. Aber obiges macht für mich sehr viel Sinn, es fühlt sich richtig an.
Vorgestern kam mir die Idee, dass meine Sucht nach "mehr Essen" und dem typischen "Stopf rein, bis nichts mehr passt!", aus der Phase meines Lebens stammen könnte, als meine Mutter versucht hat, uns zu gesünderem Essen zu motivieren. Es gab keine Süßigkeiten mehr (also kauften wir uns Süßigkeiten mit unserem Taschengeld), es gab nichts Fettiges mehr ("Bah, guck dir die Fettaugen da, die da auf der Suppe schwimmen!") und so richtig loslassen von "Iss halt weniger! Oder einen Apfel!" konnte auch niemand aus der Familie. "Fear Of Missing Out". Das Resultat.
Esse ich etwas Süßes, muss etwas Salziges hinterher. Trinke ich Wasser, muss jetzt sofort etwas mit Geschmack her. Es könnte ja sofort wieder weg sein. Oder kein Geld mehr vorhanden sein, um es nachzukaufen. Die aktuellen Lebensmittelpreise machen es mir bis heute schwer, nicht dem Glauben zu verfallen, dass ich bald nichts mehr zu Essen haben werde. "House of Abundance" my ass.
Mit 17, mit 18, mit 19, mit 20, mit 21 und auch noch mit 22 war kein Geld da für Essen. Insbesondere die ersten Jahre. Der Hunger nagt mir bis heute an der Schädeldecke und ich spüre es an der nach innen gerichteten Seite meiner Wirbelsäule, an der sich mein Magen fest getrocknet hat. Es klebt und kratzt an den Knochen.
Tja, und heute? Heute fresse ich, bis nichts mehr rein passt. Jede Diät scheitert an dem Glaubenssatz "Du musst was essen! Sonst hast du bald nichts mehr! Hunger ist schädlich!". Ja, Hunger war in meiner Teeniezeit sehr schädlich. Meine Zähne und Nägel sind bis heute porös und brüchig. Meine Haare haben ihre grobe Mauser mit 23 mit einer oder auch zwei großen Geheimratsecken eingeläutet. Oder ist es die Angst, in alte Muster zu verfallen? In "Ganz oder gar nicht!"? Hunger bis man stirbt?
Ich weiß es nicht. Es nervt. Ich bin müde.Ich darf keine Kalorien zählen. Ich darf auch nicht einfach Essen, sonst höre ich gar nicht mehr auf.
Vielleicht ist es auch nur PMS. Die Luteralphase neigt sich dem Ende hin.
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