Ein bisschen Glück

 Ich liebe ja so kleine Epiphanies. Seit der Therapie passiert dies immer mal wieder.

Normalerweise während ich nachts um halb 12 auf dem Heimweg von meinem Nebenjob im Auto sitze, die Heizung volles Mett die heiße Luft rödelt und mein Magen irgendwo in den Kniekehlen hängt. (Das güldene M in der Ferne so verlockend glitzernd...)

Dann fangen die Selbstgespräche an. Selbstgespräche sind übrigens eine 1A Psychohygiene. Grüße von meinem Therapeuten. 

In einem dieser Momente habe ich kürzlich ja herausgefunden, dass Essen für mich ein "Retter" ist. Es rettet mich vor unangenehmen Dingen/Momenten/Erfahrungen/Situationen. Hieraus entstehen leider sehr unangenehme Binge-Eating-Momente, in denen der Kochlöffel das Essen am liebsten bis in den Magen runter drücken sollte. Bis Oberkante-Unterlippe oder so. 

Aber wieso fresse ich? Wieso der Binge? Was bringt mich dazu zu bingen, zu fressen, zu stopfen? Was für ein Gefühl möchte ich erwirken, wenn ich esse?

Glück. 

Freude.

Zufriedenheit.

Essen macht mich glücklich. An Tagen, an denen nichts passiert, das mich glücklich macht, an Tagen, die furchtbar anstrengend und stressig sind, die mich müde und erschöpft werden lassen, an diesen Tagen fresse ich. 

Essen macht glücklich. 

Ja, ja, viele wissen dies. Aber fühlen sie es auch? Fühlst du es? Oder weißt du es nur?

Paprika mit Frischkäse und Kräutersalz. Darauf hatte ich furchtbare Lust, als ich so im Auto saß und durch die Kurven raste, todmüde und erschöpft nach 8 Stunden managen und 4 Stunden kellnern, Gläser kippen und polieren. 

Wenn der ganze Tag mir nichts bringt, das mich glücklich macht, möchte ich mir mit Essen wenigstens ein kleines bisschen Glück einheimsen. Wenigstens einen kurzen, glücklichen Moment am Tag erleben, der sonst so trist, dröge und erschöpfend war. 

Wäre es da nicht eine Idee, jeden Tag etwas Kleines für mich zu machen, das mich glücklich macht? Damit ich nicht auf das Essen zurückfallen muss? Etwas, worauf ich Abends zurückschauen und mir sagen kann "Awww, das war toll!"?

Ich fresse ja auch nicht, während ich etwas Schönes, Interessantes nähe. Oder während ich mit Freunden unterwegs bin, wir viel Spaß haben und Zeit miteinander verbringen. Schließlich macht mich dies glücklich.

Sind meine Fressanfälle, einfach nur die Abstinenz von Glück? Von Freude? Von Zufriedenheit?

Eine kleine Kollektion dieser wertvollen Epiphanies findet man mittlerweile sogar in einem dubiosen Gruppenchat. Man muss es ja dokumentieren, während der Fahrt. Nech.

Die Paprika habe ich übrigens nicht mehr gegessen.

Kommentare